Herpesviren

Unterschied zwischen latenten und persistierenden Viren

 Das besondere an allen Herpeserregern ist, dass diese Erreger latent und persistierend für immer im Körper verbleiben. Im Latenzstadium "verstecken" sind die Viren im Körper. Typisch für die Viren der Herpesfamilie ist, dass sie nach einer überstandenen Infektion nicht vollständig aus dem Körper verschwinden. Sie gehen in ein Latenzstadium über und können so unbehelligt im menschlichen Körper überleben. Wenn sie dann "geweckt" bzw. reaktiviert werden, kommt es zu einer weiteren Erkrankung. 

Winzige Erbgut-Stückchen sorgen dafür, dass Herpes-Viren jahrelang in einem schlafartigen Zustand in menschlichen Nervenzellen überdauern können. In dem Schlummerzustand ­ von Experten als latente oder ruhende Infektion bezeichnet ­ sind die Viren für Medikamente unerreichbar.

 

Die nun untersuchten Erbgut-Stückchen verhindern die Bildung von Eiweißen, die zum "Aufwachen" der Viren nötig sind, wie US-Forscher im Journal "Nature" (online-vorab) berichten. Die Wissenschaftler hoffen nun, mit Hilfe ihrer Ergebnisse ein Mittel entwickeln zu können, welches die Viren aufweckt und sie so für die vorhandenen antiviralen Medikamente angreifbar macht.

Wie der Wechsel zwischen der aktiven und der ruhenden Infektion herbeigeführt und der Schlafzustand aufrechterhalten wird, war Wissenschaftlern bislang weitgehend unklar. Bekannt war, dass ein Gen namens LAT daran beteiligt ist. Anders als die meisten anderen Gene bildet LAT aber kein Eiweiß, seine genaue Funktion blieb deshalb rätselhaft.

Das Team um Cullen zeigte nun, dass das LAT-Gen die Informationen zur Herstellung von sogenannten microRNAs (miRNAs) in sich trägt. Dies sind winzige Abschnitte des Moleküls RNA, einem Verwandten des Erbgut-Moleküls DNA. Diese miRNAs verhindern nun, dass bestimmte Botenmoleküle der Zelle die Eiweiße bilden, die für eine aktive Infektion nötig sind.

Erst unter bestimmten Stress-Bedingungen steigt die Zahl der Botenmoleküle so stark an, dass nicht mehr genügend miRNAs vorhanden sind, um die Bildung der Eiweiße zu unterdrücken: Das Virus wacht auf.
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Ebenso wie keine Medikamente das schlafende Virus erreichen kann, kann auch das Immunsystem nur die akute Erkrankung bekämpfen, nicht aber die in den Spinalganglien des Nervensystems verbleibenden Viren. Auf diese Weise überdauert ein Reservoir von Herpesviren lebenslang im infizierten Organismus (lebenslange Persistenz). Bei einer persistierenden Infektion wandern die Herpesviren aus den Spinalganglien herab und es kommt zu einer kontinuierlichen, geringen Vermehrung und Freisetzung infektiöser Viren. Bei einer latenten Infektion dagegen ist das Virusgenom stumm, d.h. es kommt zu keiner Expression von viruskodierten Proteinen. Erst bei einer Sekundärinfektion wird das Virus somit wieder aktiv.