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Symptome EHV

aus http://www.cx.unibe.ch/ivv/Virology/Virusportr_ts_ZH_2005_06_I.pdf

Klinik EHV-1:

• Rhinopneumonitis gefolgt von Stutenabort: Meist im letzten Drittel der Trächigkeit; Inkubationszeit 14-120 Tage; Abort spontan, meist komplikationslos. Typische
pathologische Veränderungen bei Föten: petechiale Blutungen in verschiedenen Organen, Lungenödem, (blutige) Transsudate in Brusthöhle, Nekrosen in Leber,
Milz und Lunge; z.T. massive Lebervergrösserung. Histopathologisch v.a. Nekrosen und intranukleäre Einschlusskörperchen zu beachten (pathognomonisch).

• Perinatale Sterblichkeit: Geburt lebensschwacher Fohlen (z.T. respiratorische Symptome); saugunfähig; Tod innert Stunden oder wenigen Tagen. Pathologie ähnlich wie bei abortierten Föten.

• Paralytisches Syndrom: von leichtgradiger Ataxie bis hochgradiger Paralyse mit Festliegen und Tod alles möglich. Bei Festliegen ungünstige Prognose.
Histopathologie: Vaskulitis (pathognomonisch).

Achtung: Die jedes Frühjahr vermehrt auftretenden Herpesseuchenzüge werden unter Herpes-zentrales Nervensystem behandelt! Es handelt sich dabei wahrscheinlich um die Borna-Herpes-Kombi im Zusammenhang mit Herpesimfpungen, ein entsprechender Test sollte das klar stellen!

EHV-4:

• Rhinopneumonitis, selten gefolgt von Stutenabort und ZNS Störungen: Tritt v.a. bei Jungtieren (bis 2 J.) in Erscheinung; bei älteren meist subklinisch.

Inkubationszeit

3-10 Tage. Symptome: plötzlich auftretender Katarrh, Fieber, Depression, Anorexie, Rhinotracheitis. Bei ca. 30% der Tiere auch untere Atemwege betroffen mit Dyspnoe und Husten (Achtung bakt. Sekundärinfektionen!).

 

EHV 2 (equines Cytomegalovirus), EHV 5:

vermutlich Horn- und Bindehautentzündungen, Keratokonjunktivitis und respiratorischen Störungen:
Die Rolle des EHV2 in der Entstehung von Krankheiten ist noch nicht gänzlich geklärt. Es lässt sich sowohl bei gesunden Pferden als auch bei solchen mit verschiedener Symptomatik, wie obengenannt, isolieren. Aber ebenso Erkrankungen des oberen und tieferen Respirationstraktes, Fieber, Inappetenz und Leistungsdepression.
EHV 2 steht wie der EBV im Verdacht, eine Immunsuppression zu verursachen:
lesen Sie alles über den EHV 2 hier: http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/borstelm_ws03.pdf

EHV-3:

• Coitalexanthem: Verlauf meist mild und gutartig. Betroffen sind: Haut und Schleimhaut von Vulva, Präputium, Penis. Beginn mit Schwellung und Juckreiz,
gefolgt von Bläschen-/Papelbildung, die zu Pusteln werden und verkrusten. Möglich sind auch entstehende Ulzera und hämorrhagische Erosionen. Bei der Abheilung:
Leukozyteninfiltration, Epithelabschilferung.

Dauer: 1-2 Wochen; Spontanheilung; u.U. zurückbleibende depigmentierte Flecken ("Mosaikflecken").

Immunreaktion

Eine EHV Infektion induziert sowohl humorale (z.B. neutralisierende AK) als auch zellvermittelte Immunantwort. Diese hilft einerseits die Krankheit zu überwinden, andererseits vor Reinfektionen zu schützen. Typisch ist jedoch, dass die Immunantwort nur sehr kurze Zeit persistiert (neutralisierende AK ca. 4 Monate), so dass
Reinfektionen immer wieder möglich sind. Kolostrale Antikörper persistieren 2-4 Monate und bieten Schutz während dieser Zeit.

Prophylaxe Expositionsprophylaxe bzw. konsequenter Impfschutz. Cave: Immunantwort sehr schlecht; gilt auch für Impfung! Nach Grundimmunisierung ist Booster alle 6 Monate - zumindest bei gefährdeten Tieren (s. Sportpferde, Zuchttransporte etc.) - sehr zu empfehlen. Achtung: Problem der Allergie!

Differentialdiagnosen

Rhinopneumonitis: Influenza, Pferdehustenkomplex, Arteritis.
Stutenabort: Aborte infolge Bakterien- bzw. Pilzinfektionen;
Arteritis (EAV).
Paralytisches Syndrom: Borna, Vergiftungen, Trauma, Tetanus, Listeriose, ev. FSME.
Coitalexanthem: EHV-1, Streptokokkeninfektionen.

Die Tenazität der EHV ist vergleichbar mit derjenigen von BoHV-1; bleibt in eingetrocknetem Zustand relativ lange infektiös (v.a. an Pferdehaar 2-6 Wochen).

Epidemiologie EHV-1 und EHV-4:

Virusausscheidung oronasal bzw. via
Fruchtwasser, Plazenta und Fötus. Übertragung aerogen oder durch direkten/indirekten Kontakt.

Virusreservoir:

zur Hauptsache latent infizierte Tiere; empfänglich sind alle Equiden. Epidemiologie stark beeinflusst durch Häufigkeit des Auftretens von latenten Infektionen, Umgebungsbedingungen (z.B. Absetzen, Fohlenweide, Transport, Sportveranstaltungen etc.) und Immunstatus der Population.

EHV-3: Übertragung in meisten Fällen nur beim Decken, wenn bei einem Partner Läsionen vorliegen. Experimentelle Übertragung auch via Respirationstrakt möglich.

Pathogenese

a) Lytisch :

EHV-1 und EHV-4 gelangen aerogen in den Nasopharynx, wo die erste Virusvermehrung stattfindet. Zweite Station sind die regionären Lymphknoten und die
Epithelien des oberen Respirationstraktes, was zur Rhinopneumonitis führt. Die EHV-4-Infektion bleibt eher lokal.

EHV-1 verbreitet sich via Lymphozyten-assoziierte Virämie im ganzen Organismus.

Zielorgane: Plazenta und Fötus und/oder ZNS (selten: Genitaltrakt --> Exanthem). EHV-1 scheint auch einen Tropismus für Endothelzellen zu besitzen;
so liegen z.B. den ZNS-Störungen hauptsächlich Vaskulitis und Thrombose zugrunde.

EHV-3 wird normalerweise beim Decken übertragen; die Infektion bleibt lokalisiert; die Läsionen werden verursacht durch Infektion des Stratum
germinativum des äusseren Genitaltraktes.

b) Latenz :

Wie bei andern Herpesviren eine Folge der lytischen Infektion. EHV etablieren die Latenz jedoch vor allem in lymphoiden Geweben des oberen Respirationstraktes und in peripheren Blutlymphozyten. Vorteil für Virus bei Reaktivierung: rasche Verbreitung im Organismus via Blut-/Lymphbahnen.

Labordiagnose Virusnachweis:

Isolierung auf Zellkultur, Charakterisierung mittels Elektronenmikroskopie und Identifizierung mittels Neutralisationstest. Serologie: Serumneutralisationstest; ev.
KBR.

Klinikberichte

Auszug: "Bisher nahm man an, daß es neurotrope EHV1-Stämme gibt, die während der Virämie bevorzugt das ZNS befallen und daher zu einer Enzephalomyelitis führen. Neuerdings wird allerdings die Möglichkeit diskutiert, daß es sich bei der equinen Herpesvirus-Enzephalomyelitis um eine Immunkomplexkrankheit handeln könnte, da es zu charakteristischen Veränderungen der Endothelien des Rückenmarks kommt. Zwischen EHV1 und EHV4 besteht eine Kreuzimmunität. Man vermutet, daß ein Boostereffekt in der Antikörperbildung ausgelöst wird, wenn auf eine persistiernde EHV1-Infektion eine EHV4-Infektion folgt. Dies bewirkt einen raschen Anstieg der Antikörper im Blut, wodurch es zu einer massenhaften Bildung von Immunkomplexen kommt, die sich in den Endothelien des ZNS ablagern. Die dadurch bedingte Enzephalomyelitis (in seltenen Fällen auch reine Myelitis) verursacht zentralnervöse Störungen wie Ataxien und Paresen, es werden auch häufig tödlich verlaufende Paralysen beobachtet". http://www.veti-berichte.de/02Pferd/pferd26.htm

Neue Doktorarbeit der Uni Giessen für eine Untersuchung über COB-erkrankte Pferde, bei der Herpesviren ursächlich beteiligt sein sollen und ob es da einen Unterschied gibt zwischen geimpften und nicht geimpften Pferden:
http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1440/pdf/WeinbrennerDaniela-2004-02-09.pdf

klinischen Symptome für EHV-1 / EHV-4 Infektionen

Infektionen der Atemwege

 Inkubationszeit: 2 – 10 Tage
 wässriger Nasenausfluss
 flacher, feuchter Husten
 Kehlgangslymphknoten vergrößert
 wenige Tage Fieber (38,8 – 39,5°C)
 Dauer der Infektion der oberen Atemwege ohne Komplikationen: 8 - 14 Tage

Virusabort – sog. seuchenhaftes Verfohlen

 Infektion über Atemwege
 Inkubationszeit bis zu 3 – 4 Monaten
 tritt meist „ohne Warnung“ auf, ohne Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens
der Stuten
 Spätabort: 7. – 10. Monat
 Zeitpunkt des Abortes abhängig von Resistenz-, Hormonstatus der Stute,
auch abhängig von exogenen Faktoren wie Stress, allgemeiner Infektionsdruck
und Medikamenteneinsatz
 rasche Ausbreitung im Bestand, hohe bestandsbezogene Abortrate
 in den nächsten Jahren erneute herpesbedingte Aborte möglich
 in Geburtsnähe – Fohlen lebensunfähig, ohne Chancen
 Fruchtwasser und Fruchthüllen enthalten erhebliche Virusmengen

EIGENSCHAFT EHV-1 EHV-4

Die ganz akuten Virusausbrüche beginnen oft mit einem Anschwellen der Hinterbeine, also wenn dies in Sicht, dann handeln. - abwehrmässig etc. Meistens hat man aber schon länger die spezifischen Probleme, bevor man überhaupt auf die Idee kommt, das es Herpes sein könnte.

Alle akut befallenen Tiere müssen sofort isoliert werden. Vollständige Stallruhe, gutes Futter und saubere Luft sollten selbstverständlich sein. Die Anwendung von Medikamenten, die den klebrig-klumpigen Schleim der Atemwege verflüssigen, kann die Erholung beschleunigen und ist in der Kombination mit Antibiotika dort angebracht, wo eine Sekundärinfektion vorhanden ist.

"Wenn sich eine Krankheit rasch und seuchenhaft ausbreitet, ist es mit größerer Wahrscheinlichhkeit NICHT Herpes. Dieses Virus wird eher durch direkten Kontakt von Pferdenase zu Pferdenase übertragen, 'schleicht' sozusagen langsam durch die Bestände, wobei zwar viele chronisch erkrankte Pferde übrigbleiben, manche dann einige Zeit späterdurch sensibilisierte Schleimhäute zum Allergiker werden, aber viele auch gar nicht sichtbar/ merkbar erkranken. Virausstämme mit erhöhter Virulenz mögen dann in Einzelfällen schon gehäuft zu neurologischen Symptomen führen. Gerade dadurch kann es akut zu lebensbedrohlichen Lähmungen und in der Folge auch zu Todesfällen kommen. Pferde mit itaktem Imunsystem sollten einigermaßen geschützt sein. Eine kurzfristige zusätzliche immunstimuliernde Behandlung hilft ihnen zusätzlich.

Andere Erkrankungen, wie z.B. Influenze = 'Pferde-Grippe' fliegen dagegen über hundete von Metern von Stall zu Stall, wo dann praktisch innerhalb weniger Tage die meisten ungeimpften Pferde mehr oder weniger heftig erkranken. Geschützt ist ein Pferd durch die Grippeimpfung etwas mehr als ein halbes Jahr - normalerweise. Wiederholte serologische (Blut-) Untersuchungen und allenfalls diepathologischen Befunde von eingegangenen Tieren oder abortierten Föeten helfen dem zuständigen Tierarzt, herauszufinden, um welchen Krankheitserreger es sich jeweils gehandelt haben kann."

Mit Herpesinfektionen geht oft eine Bläschenbildung am Kehlkopf einher und ein Hustenreiz, der sich durch Druck auf diesen auslösen lässt.
Doc sieht man also in Verdachtsfällen das Pferd auf den Hintern klopfen, um dann mit spitzem Finger den Druckpunkt in der Muskulatur zu suchen, der das Pferd zum Einknicken bringt, als ob es unter den elektrischen Weidezaum gekommen wäre und es dann anschließend zärtlich um den Hals nehmen für ein kuzes Husten auslösendes 'Würgen' - und dann nehmen wir Blut ab für den 'Anstiegstest' nach der früheren, in der 'Gesundphase' bestimmten Basistiter. (Zitat Doc von der RR)

Stutenabort/Rhinopneumonitis tritt fast immer als Krankheit eines Kollektivs auf. Die Infektion mit dem EHV-1 kann Influenza-ähnliche sowie zentralnervöse Symptome zur Folge haben. In vielen Fällen allerdings verläuft die Infektion milder und äussert sich anschliessend in der zweiten, viel aufälligeren Verlaufsform: durch gehäufte Aborte. In Gestüten ist es durch EHV-1 zu eigentlichen "Abortstürmen" gekommen.

Herpesviren können Pferde jeden Alters befallen, Fohlen können den Virus durchaus gleich von ihrer unzureichend geimpften Mutter übernehmen - ob das hier durch irgend eine Ansteckung zu einer chronischen Infektion gekommen ist, beweisen wiederholte Antikörperuntersuchungen des Blutserums bei sachverständiger Interpretation

Die Abort verursachende Herpesform führt z.B. bei den Ungeborenen zu Leberschäden.... daran erkennt das dann der Pathologe...

Atemwegsinfekte sollten immer möglichst rasch und intensiv so behandelt werden, dass es keinesfalls zu chronischen Erscheinungen komt (das wäre: länger als allenfalls 1-2 Monate lang anhaltend!), da es bei Pferden jeden Alters gerade bei chronischen Atemwegsreizungen leicht zur Ausbildung von Allergien kommt.Ist es zu einer Allergisierung der von der Infektion gereizten Schleimhäute gekommen, bedeutet das angepaßte Haltungsbedingungen für den Rest des Lebens des Pferdes (Heu nass, alternative Einstreu, spezielle Mineralstoffergänzungen usw.): unangenehm, wenn es schon in sehr jugendlichem Alter dazu gekommen ist!!!

Der typische Husten eines chron. Herpespferdes ist der trockene Kehlkopfhusten. Bei der Bronchoskopie sieht man Bläschen auf dem Kehlkopf. Die üblichen Hustenmittel helfen meistens nur kurzfristig oder gar nicht. Es läuft kein oder kaum Schleim aus der Nase und dieser ist meistens dünn, farblos ode weißlich schaumig. Akut erkrankte Tiere husten stark und tief, egal ob sie in der Box stehen oder bewegt werden oder im Paddock stehen. Ich habe ein Pferd gesehen, dass so hustete, als ob es was in der Kehle stecken hätten - wir dachten an Schlundverstopfung und haben gleich den TA gerufen, da war aber nichts steckengeblieben.

aktualisiert 10.7.06

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