Federführend in der Borna-Forschung war bis Ende 2005 das Robert-Koch-Institut in Berlin mit Fr. Dr. Bode und Prof. Ludwig von der FU Berlin. Absolut empfehlenswert ist die Habilschrift von Frau Dr. Liv Bode, da dort unheimlich viel drin steht. Sie ist eine der besten Texte zum Bornavirus: Man kann sie hier herunterladen als PDF: http://library.vetmed.fu-berlin.de/resources/global/contents/2654808/bode_habil.pdf
Ebenfalls zu empfehlen: http://www.innovations-report.de
Aufgrund der massiven neuen Erkrankungen der Herpes/Borna-Kombi bei den Pferden wurde 2005 in SH das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit http://www.fli.bund.de/ mit eingeschaltet.
Interessanter Auszug hieraus: Infektionen mit dem Borna-Virus (Borna Disease Virus, BDV) stehen bei vielen Säugetierarten in kausalem Zusammenhang mit einer Reihe pathologischer Veränderungen des Gehirns und der Retina. http://www.uni-leipzig.de/~vetana/subjects.html (leider nur noch im Archiv vorhanden 26.12.08):
Daraus Kurzbeschreibung
Wir untersuchen degenerative und regenerative Prozesse in der Netzhaut von Ratten und Mäusen. Schwerpunkte unserer Arbeiten sind
(1) läsionsbedingte Veränderungen an Axonen retinaler Ganglienzellen und
(2) die Involvierung der Mikroglia in der Retina nach Axotomie des Sehnerven.
Einen weiteren Fokus bilden (3) Untersuchungen zur Neurodegeneration in der Netzhaut der Ratte nach experimenteller Infektion mit Borna Disease Virus (BDV).
(1) Das Überleben von Nervenzellen und eine erfolgreiche Regeneration von Nervenfasern sind Grundvoraussetzungen für Reparaturvorgänge im ZNS. Als Modell für einen primären Ausfall von Neuronen untersuchen wir die Degeneration retinaler Ganglienzellen nach Durchtrennung des Nervus opticus. Die retrograde Markierung der überlebenden Ganglienzellen mit biotinylisiertem Dextranamin zeigte, dass einige wenige Neurone bis zu einem Jahr, d.h. vermutlich zeitlebens erhalten bleiben und intraretinale Axonkollateralen ausbilden können. Elektronenmikroskopisch konnte bestätigt werden, dass growth cones an den Enden der Kollateralen ausgebildet werden. Die ultastrukturelle Detektion und räumliche Erfassung (mit Hilfe von Serienschnitten) der growth cones konnte aufgrund des hohen Aufwandes bisher nur in wenigen Fällen exemplarisch durchgeführt werden. (2) Von Bedeutung für die Degeneration und Regeneration von axotomierten Neuronen sind Interaktionen zwischen ihnen und den Mikrogliazellen, die durch Degradationsprozesse aktiviert werden. Nach retrograder Markierung der geschädigten retinalen Ganglienzellen durch Applikation des lipophilen Fluoreszenzfarbstoffes 4Di-10ASP auf den Sehnervenstumpf wurden die axotomierten Neurone dargestellt. Die binnen weniger Tage nach der Axotomie sichtbare transzelluläre Markierung der Mikroglia mit 4Di-10ASP zeigte, dass diese Zellen zelluläre Bestandteile von degenerierenden Neuronen durch Phagozytose aufnehmen.
(3) Infektionen mit dem Borna-Virus (Borna Disease Virus, BDV) stehen bei vielen Säugetierarten in kausalem Zusammenhang mit einer Reihe pathologischer Veränderungen des Gehirns und der Retina. Wir untersuchen BDV-bedingte Strukturveränderungen in der Retina von experimentell infizierten Ratten. In einem frühen Stadium nach BDV-Infektion (4 Wochen post infectionem, p.i.) konnten wir einen beträchtlichen Anstieg in der Zahl aktivierter Mikrogliazellen und Makrophagen zeigen, was mit einem deutlichen Verlust von Photorezeptoren und Ganglienzellen einherging.
Weiter im obigen Archiv-Link.
Vielleicht liegt hier der Schlüssel dazu, dass es eine Verbindung
von Borna und Headshaking gibt und das die Sonne bzw. das Licht ab Beginn
des Frühjahrs eine so große Rolle als Auslöser spielt?
Die Bereiche Mensch und Pferde gehören hier zusammen, da Borna sehr wahrscheinlich eine Zoonose und das Hauptvirus-Reservoir eben das Pferd darstellt neben Schaf, Katze, Hund und Rind, aber auch Strauße sowie neuerdings Papageien:
Zusammenfassung der Doktorarbeit von ROLAND DIECKHÖFER v. 22.6.2006:
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, der epidemiologischen Sachlage
der Borna-Virus-(BDV)-Infektion beim gesunden Pferd wie auch speziell der
Infektion beim klassisch erkrankten und auch atypisch erkrankten Pferd mittels
Informationen aus den Probenbegleitscheinbögen und den zur Zeit modernsten
labordiagnostischen Verfahren, insbesondere durch ELISA-Technik, nachzugehen
und ein umfassendes Bild der Verbreitung der Infektion in Deutschland zu darzustellen.
Aus den vorliegenden umfangreichen serologischen Untersuchungen ergibt sich
eine deutschlandweite Verbreitung sowohl der Bornaschen-Krankheit (BK) als
auch der ausschließlichen Infektion mit BDV. Mit einer Infektionsprävalenz
von über 50 % ist eine Ansteckungsgrundlage zur BK weiter verbreitet,
als alle Studien zuvor ermitteln konnten. Von diesen 50 % sind wiederum über
50 % der Pferde entweder typisch oder atypisch erkrankt.
Im Gegensatz zu den bisherigen Studien beim Pferd wurde nicht nur nach BDVspezifischen-Antikörpern
im Blut oder Liquor gesucht, sondern es konnte mit dem in der Berliner Bornavirus
Arbeitsgruppe (RKI und FU-Berlin) entwickelten ELISA-Verfahren ein kompletter,
auf AG-Produkten und humoraler Abwehr beruhender Überblick über
die BDVBelastung bei erkrankten und gesunden Pferden gegeben werden. Eine
ausschließliche und damit unvollständige Betrachtung der AK-Titer
ergibt eine relative Häufigkeit von nur 18,6 %.
Insofern muss auf den propagierten dreifach ELISA zurückgegriffen
werden, der sowohl BDV-Antigen, -Immunkomplexe und Antikörper erfasst
und somit einen genaueren Einblick in die Infektionssituation des Patienten
gibt. Mit diesem Verfahren ist eine minimalinvasive Methodik zur Erkennung
von BDV-Infektionen mit Aktivierung oder ohne Aktivierung der Virusproduktion
möglich. Um eine Entwicklungstendenz der Infektion aufzuzeigen, muss
mindestens eine Kontrolluntersuchung des Blutes folgen.
Endemiegebietsgrenzen der Bornaschen Krankheit verschwimmen immer mehr und
lassen sich kaum noch auf die früheren klassischen endemischen Gebiete
beschränken. Nahezu in jedem Bundesland Sachsen Anhalt war allerdings
nur mit 10 Proben vertreten, aus Bremen kam keine Einsendung existieren
klassisch und atypisch BDV-erkrankte Pferde mit nachweislichen, spezifischen
BDV-Titern. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Bayern und
Hessen wurden - relativ betrachtet - mit jeweils über 10 % die meisten
BDV-hochpositiv infizierten kranken Pferde ermittelt.
aus: http://www.diss.fu-berlin.de/2006/495/dblim.pdf und
Epidemiologische Untersuchungen zur equinen BDV-Infektion, der Bornaschen
Krankheit beim Pferd, der Therapie und die dazugehörige aktuelle Gesetzessituation
in Deutschland
Epidemiological studies on equine BDV-Infection, the Borna Disease in horses,
therapy, and the appropriate current legislation in Germany
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|Zusammenfassung| |Inhaltsverzeichnis| |Ergänzende Angaben|
Zusammenfassung
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, der epidemiologischen Sachlage der Borna-Virus-
(BDV)-Infektion beim gesunden Pferd wie auch speziell der Infektion beim klassisch
erkrankten und auch atypisch erkrankten Pferd mittels Informationen aus den
Probenbegleitscheinbögen und den zur Zeit modernsten labordiagnostischen
Verfahren, insbesondere durch ELISA-Technik, nachzugehen und ein umfassendes
Bild der Verbreitung der Infektion in Deutschland zu darzustellen. Aus den
vorliegenden umfangreichen serologischen Untersuchungen ergibt sich eine deutschlandweite
Verbreitung sowohl der Bornaschen-Krankheit (BK) als auch der ausschließlichen
Infektion mit BDV. Mit einer Infektionsprävalenz von über 50 % ist
eine Ansteckungsgrundlage zur BK weiter verbreitet, als alle Studien zuvor
ermitteln konnten. Von diesen 50 % sind wiederum über 50 % der Pferde
entweder typisch oder atypisch erkrankt. Im Gegensatz zu den bisherigen Studien
beim Pferd wurde nicht nur nach BDV-spezifischen-Antikörpern im Blut
oder Liquor gesucht, sondern es konnte mit dem in der Berliner Bornavirus
Arbeitsgruppe (RKI und FU-Berlin) entwickelten ELISA-Verfahren ein kompletter,
auf AG-Produkten und humoraler Abwehr beruhender Überblick über
die BDV-Belastung bei erkrankten und gesunden Pferden gegeben werden. Eine
ausschließliche und damit unvollständige Betrachtung der AK-Titer
ergibt eine relative Häufigkeit von nur 18,6 %. Insofern muss auf den
propagierten dreifach ELISA zurückgegriffen werden, der sowohl
BDV-Antigen, -Immunkomplexe und Antikörper erfasst und somit einen
genaueren Einblick in die Infektionssituation des Patienten gibt. Mit diesem
Verfahren ist eine minimalinvasive Methodik zur Erkennung von BDV-Infektionen
mit Aktivierung oder ohne Aktivierung das Virusproduktion möglich. Um
eine Entwicklungstendenz der Infektion aufzuzeigen, muss mindestens eine Kontrolluntersuchung
des Blutes folgen. Endemiegebietsgrenzen der Bornaschen Krankheit verschwimmen
immer mehr und lassen sich kaum noch auf die früheren klassischen endemischen
Gebiete beschränken. Nahezu in jedem Bundesland Sachsen Anhalt
war allerdings nur mit 10 Proben vertreten, aus Bremen kam keine Einsendung
existieren klassisch und atypisch BDV-erkrankte Pferde mit nachweislichen,
spezifischen BDV-Titern. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg,
Bayern und Hessen wurden - relativ betrachtet - mit jeweils über 10 %
die meisten BDV-hochpositiv infizierten kranken Pferde ermittelt. In sehr
vielen verschiedenen Rassen wurde eine BDV-Infektion mit oder ohne Krankheit
nachgewiesen. Durch diese Untersuchungen konnte eine vermehrte Prävalenz
des Auftretens der Krankheit und auch der Infektion beim Sportpferd eher als
beim Pony oder Kaltblutpferd gemessen werden. Eine jahreszeitliche Rhythmik
des Auftretens der Infektion und Krankheit war auffällig zudem meßbar.
Anders als bisher beschrieben, wurde primär eine relative Häufung
kranker, infizierter Tiere in den warmen Monaten, nämlich zwischen Mai
und August, beobachtet. Die aktuelle Gesetzessituation bezüglich der
Meldepflicht birgt zweifellos eine Quelle der Beunruhigung für die Bevölkerung,
beinhaltet außerdem aus wissenschaftlicher Sicht viele Fehler und muss
somit als überholt gelten. Mit einer hohen Prävalenz von über
52 % ist die BDV-Infektion beim Pferd in Deutschland kaum noch als eine nach
dem Tierseuchengesetz eingestufte meldepflichtige Tierkrankheit anzusehen,
da die Kriterien einer Tierseuche im Sinne des Gesetzes hiermit nicht erfüllt
werden. Eine Korrektur der gesetzlichen Vorgaben steht aus und sollte EU-weit
vorgenommen werden. Anders als in den gesetzlichen Vorgaben beschrieben
dort wird eine Therapie verneint - konnte eindrucksvoll einer meist erfolgreichen
Behandlung der BDV-Erkrankung durch Gaben von Amantadin nachgegangen werden.
Bei mehr als 78 % der behandelten Pferde war eine klinische Besserung festzustellen.
Es konnte also eine vielversprechende Therapie bei BDV-Erkrankungen mit dem
Wirkstoff Amantadin erzielt werden, wobei diese auch im Reagenzglas aktive
Substanz bisher als alternativlos im BDVirus-Infektionsprozess anzusehen ist.
Allgemein: